Steigeisen, Eispickel, Seil, Gletscher: Mountaineering war für mich lange eine dieser Sachen, bei denen ich dachte, dafür müsste ich erst einmal richtig Bergsteigen können. Aber muss man das alles wirklich schon beherrschen, bevor man überhaupt anfangen darf?
Gemeinsam mit Salewa ging es für mich nach Sulden in Südtirol, mitten in die Ortler Alpen. Zwei Tage lang drehte sich dort alles um die Frage, was Mountaineering eigentlich bedeutet. Wir lernten die Grundlagen kennen, testeten die Ortles Mountaineering Collection direkt in den Bergen und waren schließlich selbst auf dem Suldenferner unterwegs. In diesem Artikel nehme ich dich mit auf mein Abenteuer und zeige dir gleichzeitig, was Mountaineering eigentlich bedeutet, was ich als Anfängerin gelernt habe und was du wissen solltest, wenn du selbst einmal den Schritt vom Wandern Richtung Bergsteigen wagen möchtest.
Mein Einstieg ins Mountaineering
Ein Team am Suldenferner
Mit Experten am Gletscher
Was bedeutet Mountaineering eigentlich?
Vor dieser Reise fand ich den Begriff ehrlich gesagt ziemlich schwammig. Wandern, Bergsteigen, Alpinismus, Mountaineering, wo hört das eine auf und wo beginnt das andere?
Mountaineering lässt sich am ehesten mit Bergsteigen oder Alpinismus übersetzen. Während beim klassischen Wandern meistens Wege und vergleichsweise wenig technische Ausrüstung im Mittelpunkt stehen, kann Bergsteigen je nach Tour auch über Fels, Schnee, Eis oder Gletscher führen. Damit kommen neue Fähigkeiten und Ausrüstungsgegenstände wie Steigeisen, Eispickel, Gurt oder Seil ins Spiel.
Für mich war dabei eine Erkenntnis besonders wichtig: Bergsteigen ist nicht einfach nur schwierigeres Wandern. Ich bin viel draußen unterwegs, wandere regelmäßig und fühle mich in den Bergen wohl. Trotzdem war vieles von dem, was wir in Sulden gelernt haben, komplett neu für mich. Und genau das hat mir gefallen. Ich musste nicht so tun, als könnte ich schon alles, sondern durfte wieder Anfängerin sein.
Unser erster Tag in den Ortler Alpen mit Salewa war deshalb vor allem ein Herantasten. Wir waren wandern, beschäftigten uns mit der Ausrüstung und bekamen einen ersten Eindruck davon, was beim Mountaineering zusätzlich zum normalen Wandern wichtig wird. Am nächsten Tag sollte aus der Theorie dann Praxis werden: Es ging auf den Suldenferner.
Tag 1 in den Ortler Alpen
Nele in Sulden beim Alpin Campus
Ortles Mountaineering Collection
Der Suldenferner: Auf einem Gletscher, der immer kleiner wird
Der Suldenferner liegt in der Ortler-Cevedale-Gruppe in Südtirol und gehört mit heute rund 4,5 Quadratkilometern zu den größten Gletschern Südtirols. Was ich an Gletschern so faszinierend finde: Sie sehen auf den ersten Blick vielleicht aus wie riesige, starre Eisflächen, sind aber ständig in Bewegung. Das Eis fließt langsam talwärts, die Oberfläche verändert sich und es können unter anderem Gletscherspalten entstehen.
Gleichzeitig passiert etwas, das man nicht übersehen kann: Die Gletscher der Alpen werden kleiner. Beim Suldenferner wird das besonders deutlich. Während seiner großen Ausdehnung im 19. Jahrhundert bedeckte er noch rund 10 Quadratkilometer, heute sind es etwa 4,5. Auch in ganz Südtirol zeigt sich diese Entwicklung. Die gesamte Gletscherfläche ging zwischen 1997 und 2023 von rund 122 auf 72 Quadratkilometer zurück.
Ich finde, dieses Wissen verändert den Blick auf so einen Ort. Man steht nicht einfach auf einer beeindruckenden Eislandschaft, sondern auf einer Landschaft, die sich permanent bewegt, verändert und gleichzeitig immer weiter zurückgeht.
Bergführer vermitteln ihr Wissen
Gletschereis
Gletscherweg ab der Schaubachhütte
Mit Steigeisen über den Suldenferner
Dann wurde es für uns praktisch. Bergschuhe, Steigeisen, Eispickel, Gurt und Seil waren plötzlich keine Dinge mehr, über die wir nur gesprochen hatten, sondern Teil unserer Tour auf dem Suldenferner.
Ganz neu waren Steigeisen für mich tatsächlich nicht. In Patagonien war ich bereits auf dem Perito-Moreno-Gletscher unterwegs und hatte dort welche getragen. Allerdings bewegten wir uns damals auf vorgegebenen Routen. Auf dem Suldenferner ging es für mich viel stärker darum, zu verstehen, wie man sich in diesem Gelände bewegt und warum man bestimmte Ausrüstung überhaupt braucht.
Mit den Metallzacken unter den Bergschuhen verändert sich das Gehen. Gerade am Anfang habe ich meine Schritte viel bewusster gesetzt. Dazu kamen der Eispickel und das Bewegen am Seil. Und ziemlich schnell wurde mir klar: Nur weil ich schon einmal Steigeisen getragen habe, kann ich noch lange nicht Gletscherbergsteigen.
Besonders spannend fand ich deshalb unsere Seilschaft. Auf einem Gletscher können Spalten vorhanden sein, die von oben nicht immer einfach zu erkennen sind. Wer sich in solchem Gelände bewegt, muss deshalb nicht nur wissen, wie die Ausrüstung funktioniert, sondern auch das Gelände und mögliche Gefahren einschätzen können. Genau an diesem Punkt wurde aus der schönen Eislandschaft für mich plötzlich ein Ort, den ich ein kleines bisschen besser verstand.
Mit Salewa auf Tour
Bergsteigen am Suldenferner
Mounntaineering Experience
Was braucht man für eine Gletschertour? Unsere Packliste für den Suldenferner
Welche Ausrüstung du brauchst, hängt immer von der jeweiligen Tour, dem Wetter, den aktuellen Bedingungen und deinem eigenen Können ab. Für unsere Gletschertour auf dem Suldenferner hatten wir Folgendes dabei:
- Bergschuhe
- Wandersocken
- Funktionsshirt und Baselayer
- Fleece als wärmende Zwischenschicht
- Daunenjacke
- wasserdichte Jacke
- Wanderhose
- Handschuhe
- Mütze oder Stirnband
- Sonnenbrille
- Sonnenschutz
- Rucksack
- Wasser
- Snacks bzw. Energieverpflegung
- Steigeisen
- Eispickel
- Klettergurt
- Seil
Während der beiden Tage waren wir mit der Ortles Mountaineering Collection von Salewa unterwegs. Die technische Gletscherausrüstung wie Steigeisen und Klettergurte wurde uns von Salewa zur Verfügung gestellt.
Für mich war besonders spannend, die Ausrüstung nicht einfach irgendwo anzuprobieren, sondern direkt in den Ortler Alpen zu nutzen. Spätestens auf dem Suldenferner habe ich verstanden, warum bei Bergbekleidung nicht nur Wärme wichtig ist. Wenn man sich viel bewegt, mehrere Schichten trägt und sich die Bedingungen am Berg verändern, werden auch Wetterschutz und Bewegungsfreiheit ziemlich relevant. Für mich als Anfängerin war aber vor allem spannend zu verstehen, wie all diese Dinge zusammenspielen. Denn gute Ausrüstung allein macht noch keinen Bergsteiger. Man muss auch wissen, wie man sie richtig benutzt.

Der Moment, den ich wahrscheinlich nie vergessen werde
Irgendwann kamen wir zu einer Gletscherspalte. Ich hatte inzwischen gelernt, warum solche Spalten entstehen können und weshalb sie beim Bewegen auf einem Gletscher eine so wichtige Rolle spielen. Sie dann direkt vor mir zu sehen, war trotzdem etwas völlig anderes. Noch spannender wurde es, als die Frage kam: „Wer möchte rein?“
Natürlich habe ich mich gemeldet. Respekt hatte ich trotzdem. Ich wurde gesichert und Stück für Stück in die Gletscherspalte hinuntergelassen. Plötzlich waren rechts und links von mir nur noch Eiswände und über mir konnte ich die anderen stehen sehen. Von außen ist ein Gletscher schon beeindruckend, aber in diesem Moment hatte ich das Gefühl, einmal direkt in ihn hineinzuschauen.
Für mich war das der eindrücklichste Moment der gesamten Experience. Nicht nur, weil es spektakulär aussah, sondern weil plötzlich vieles zusammenkam, was wir vorher gelernt hatten. Seil, Sicherung, Gletscherspalten und der richtige Umgang mit dem Gelände waren auf einmal keine Theorie mehr.
Natürlich war das keine Aktion, die man einfach selbst ausprobieren sollte. Unser Abstieg in die Spalte fand gesichert und begleitet statt und war für mich ein richtiges Abenteuer!
Gletscherspalte
Eisklettern am Suldenferner
Abenteuer mit Salewa
Du möchtest selbst auf den Suldenferner?
Wenn du selbst einmal eine Gletschertour am Suldenferner erleben möchtest, würde ich als Anfänger nicht einfach eine Route aus dem Internet nachlaufen. Die Bedingungen auf einem Gletscher können sich verändern und eine Tour, die auf einer Karte machbar aussieht, kann vor Ort ganz andere Anforderungen stellen.
Für den Einstieg würde ich deshalb gezielt nach einer geführten Gletschertour, einem Hochtourenkurs oder einem Bergführer rund um Sulden und die Ortler Alpen schauen. So kannst du die Region erleben und gleichzeitig lernen, wie man sich mit Steigeisen, Eispickel und Seil im Gletschergelände bewegt.
Auch bei der Planung solltest du nicht nur auf Strecke und Höhenmeter schauen. Wetter, aktuelle Gletscherbedingungen, persönliche Kondition, Erfahrung und die notwendige Ausrüstung spielen eine wichtige Rolle. Welche Tour für dich geeignet ist, sollte deshalb immer anhand der aktuellen Bedingungen und mit entsprechender alpiner Expertise beurteilt werden.
Für mich war genau diese Kombination perfekt: nicht einfach nur über den Suldenferner zu laufen, sondern unterwegs zu verstehen, warum wir etwas machen und was hinter dieser Landschaft steckt.

Kann man Mountaineering als Anfänger ausprobieren?
Das war meine große Frage vor der Reise. Nach diesen zwei Tagen würde ich vor allem zwischen zwei Dingen unterscheiden: Mountaineering unter entsprechender Anleitung kennenlernen und selbstständig in alpinem Gelände unterwegs sein.
Man muss nicht bereits Bergprofi sein, um erste Erfahrungen zu sammeln. Gerade ein Gletscher ist aber kein Ort, an dem ich nach zwei Tagen plötzlich alleine unterwegs wäre. Wer sich dort selbstständig bewegen möchte, braucht Wissen über das Gelände, alpine Gefahren, Sicherungstechniken und den Umgang mit der entsprechenden Ausrüstung.
Wenn du wie ich vom Wandern kommst und neugierig auf den nächsten Schritt bist, können deshalb beispielsweise ein Hochtourenkurs, ein Bergsteigerkurs oder eine geführte Gletschertour für Einsteiger ein guter Anfang sein. So kannst du die Grundlagen kennenlernen und gleichzeitig herausfinden, ob diese Art von Bergabenteuer überhaupt etwas für dich ist.

Und vielleicht ist genau das mein größtes Learning aus Sulden. Ich bin nicht vom Suldenferner heruntergekommen und dachte, jetzt kann ich Mountaineering. Im Gegenteil. Ich habe erst verstanden, wie viel es dabei noch zu lernen gibt: mit Steigeisen gehen, einen Eispickel richtig einsetzen, sich in einer Seilschaft bewegen, Gelände lesen und Risiken einschätzen.
Genau diesen Einstieg ins Mountaineering gemeinsam mit Salewa erleben zu können, hat mir vor allem eines gezeigt: Ich möchte in den Bergen noch ziemlich viel lernen. Aber genau das ist für mich Abenteuer. Nicht immer nur das zu machen, was ich sowieso schon kann, sondern mir zu erlauben, wieder irgendwo ganz am Anfang zu stehen.
Vielleicht muss die Frage vor dem nächsten Abenteuer deshalb gar nicht lauten: „Kann ich das überhaupt?“ Sondern vielmehr: „Wo kann ich lernen, wie es geht?“
Werbung | Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Zusammenarbeit mit Salewa. #salewa #puremountain

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