Manchmal stolpere ich unterwegs über Orte, bei denen ich mich sofort frage: Wie kann es sein, dass ich davon noch nie gehört habe?
Genau so ging es mir mit dem Erlebnis Bergwerk Merkers in Thüringen. Eigentlich war der Besuch gar nicht geplant. Einmal im Jahr unternehme ich gemeinsam mit meinen Eltern eine Motorradreise und dieses Mal führte uns unsere Route durch Mitteldeutschland, vom Nationalpark Hainich weiter Richtung Kellerwald Edersee. Auf der Suche nach einem spannenden Zwischenstopp stieß ich auf eine Tour, die sich einfach zu verrückt anhörte, um sie nicht auszuprobieren: Mit offenen LKWs geht es bis zu 800 Meter tief unter die Erde, durch eines der größten Bergwerke Deutschlands.
Erlebnis Bergwerk Merkers auf einen Blick
Ort: Merkers, Thüringen
Dauer: etwa 3 Stunden
Tiefe: bis zu 800 Meter unter der Erde
Besonderheit: Fahrt mit offenen Bergwerks LKWs
Geeignet für: Familien, Geschichtsinteressierte, Technikfans und alle, die mal etwas wirklich Außergewöhnliches erleben wollen
Mein persönliches Highlight: die Kristallgrotte
Tickets und aktuelle Informationen findest du auf der offiziellen Website des Erlebnis Bergwerks Merkers.
In 90 Sekunden 500 Meter unter die Erde
Bevor das eigentliche Abenteuer beginnt, fährt man mit dem Förderkorb etwa 500 Meter in die Tiefe. Die Fahrt dauert nur rund 90 Sekunden und trotzdem fühlt sie sich deutlich länger an. Sobald sich die Türen schließen und es immer weiter nach unten geht, merkt man erst so richtig, wie weit man sich gleich von der Welt über Tage entfernt.
Unten angekommen wartet schon das nächste Highlight: die offenen Bergwerks LKWs. Von außen wirkt das Gelände erst einmal ziemlich unscheinbar. Keine spektakuläre Fassade, kein riesiger Freizeitpark und nichts, das erahnen lässt, welche Welt sich direkt darunter verbirgt. Aber genau das macht den Moment, in dem man unten ankommt, umso beeindruckender.
Denn unter Merkers liegt ein gigantisches Streckennetz von über 5.000 Kilometern. Unser Guide sagte, das Bergwerk sei ungefähr so groß wie München, eine Dimension, die man sich erst einmal vorstellen muss. Doch je länger wir durch die Stollen fuhren, desto mehr konnte ich nachvollziehen, wie riesig diese Welt unter der Erde wirklich ist. Zeitweise war Merkers sogar das größte Kalibergwerk der Welt.
Mit offenen LKWs durch die Stollen
Wir waren ungefähr 70 Personen und auf drei Fahrzeuge verteilt. Als wir ankamen, dachte ich kurz: Puh, das sind aber viele Menschen. Ich hatte ein bisschen Sorge, dass die Tour dadurch weniger persönlich oder zu voll werden könnte. Aber die war sofort weg, als wir hinten auf den offenen Bergwerks LKWs saßen.
Die Fahrzeuge fahren überraschend schnell durch die riesigen Stollen. Der Fahrtwind zieht durch die Tunnel, die Wände rauschen links und rechts vorbei und spätestens ganz hinten auf dem LKW fühlt es sich ein bisschen an, als würde man durch eine geheime Unterwelt fahren. Allein diese Fahrt wäre für mich schon ein Erlebnis gewesen, aber Merkers hatte noch deutlich mehr zu bieten.
An mehreren Stationen erfährt man etwas über die Geschichte des Kalibergbaus und den Alltag der Bergleute. Besonders spannend fand ich den Goldraum: Während des Zweiten Weltkriegs wurden hier Goldreserven, Bargeld und Kunstschätze der Reichsbank versteckt. Als amerikanische Truppen den Fund entdeckten, kamen sogar Eisenhower und Patton persönlich nach Merkers. Eine Geschichte, die eher nach Hollywood klingt als nach einem Bergwerk in Thüringen.
Und dann steht man plötzlich in einer Konzerthalle. 800 Meter unter der Erde.
Eine Konzerthalle tief unter Tage
Mitten im Bergwerk liegt ein riesiger ehemaliger Großbunker, der heute als Konzertsaal genutzt wird. Während unserer Tour gab es dort eine Licht und Lasershow, die die Dimensionen dieses Raums noch einmal richtig sichtbar gemacht hat. Und ich dachte einfach nur: Wie verrückt ist bitte dieser Ort?
Der Saal gilt als größter und tiefster Konzertsaal Europas. Ich möchte auf jeden Fall irgendwann noch einmal für ein echtes Konzert zurückkommen, denn Musik hunderte Meter unter der Erde zu erleben, ist wirklich eine dieser Geschichten, die man später kaum glaubwürdig erzählen kann.
Mein Wow Moment: die Kristallgrotte
So beeindruckend die Fahrt, die Geschichte und die Konzerthalle auch waren: Mein persönliches Highlight wartete ganz am Ende der Tour.
Die Kristallgrotte.
Ich war ehrlich gesagt überhaupt nicht darauf vorbereitet. Plötzlich steht man vor riesigen Salzkristallen, die über Jahrtausende entstanden sind. Alles glitzert, funkelt und wirkt fast unwirklich. Fotos können diesen Moment nur schwer einfangen, weil man erst vor Ort versteht, wie besonders es ist, dort plötzlich in dieser stillen, funkelnden Höhle zu stehen.
Für einen Moment vergisst man völlig, dass man sich hunderte Meter unter der Erde befindet. Ich stand einfach nur da und dachte: Wow.Die Kristallgrotte wurde erst 1980 entdeckt und zählt heute zu den Nationalen Geotopen Deutschlands. Für mich ist sie einer dieser Orte, die einen kurz sprachlos machen und das passiert mir nicht oft.
Praktische Infos für deinen Besuch
Die Erlebnistour dauert etwa drei Stunden. Zuerst geht es mit dem Förderkorb rund 500 Meter in die Tiefe, später fährt man mit offenen LKWs bis zu 800 Meter unter die Erde. Unter Tage ist es ganzjährig angenehm warm, trotzdem würde ich eine leichte Jacke mitnehmen. Tickets solltest du vorab reservieren, besonders an Wochenenden und in den Ferien.
Wichtig ist nur: Wer sich in engen oder geschlossenen Räumen grundsätzlich unwohl fühlt, sollte überlegen, ob die Tour das Richtige ist. Die Stollen selbst sind zwar riesig, aber man verbringt eben mehrere Stunden tief unter der Erde.
Lohnt sich das Erlebnis Bergwerk Merkers?
Für mich ganz klar: ja.
Und zwar nicht nur für Bergbau Fans. Die Tour verbindet Abenteuer, Geschichte, Technik und Natur auf eine Art, die ich so bisher noch nie erlebt habe. Man fährt mit offenen Fahrzeugen durch kilometerlange Stollen, steht in einer Konzerthalle tief unter der Erde und entdeckt am Ende eine Kristallgrotte, die aussieht wie aus einer anderen Welt.
Ein Abenteuer für deine persönliche Abenteuerliste
Das Erlebnis Bergwerk Merkers ist für mich genau so ein Ausflug, der auf keiner klassischen Sehenswürdigkeiten Liste steht, aber am Ende viel länger im Kopf bleibt als viele bekannte Orte. Nicht, weil es besonders weit weg ist, sondern weil man etwas erlebt, das man so schnell nicht vergisst: 800 Meter unter der Erde durch Stollen fahren, in einer Konzerthalle stehen und plötzlich vor einer funkelnden Kristallgrotte landen.
Vielleicht ist Merkers genau dein nächstes Abenteuer. Und falls du selbst eine Abenteuerliste hast oder anfangen möchtest, eine zu führen: Schreib es dir direkt auf. Denn manchmal liegen die besten Erlebnisse viel näher, als man denkt.
Wenn ich heute an unsere Motorradreise durch Mitteldeutschland zurückdenke, denke ich natürlich an den Nationalpark Hainich, den Edersee und die gemeinsamen Tage mit meinen Eltern. Aber ich denke auch an diesen einen Moment im Bergwerk Merkers, als ich vor der Kristallgrotte stand und mich gefragt habe, warum dieser Ort nicht viel bekannter ist.
Für mich ist Merkers ein echtes verstecktes Abenteuer. Genau die Art von Ort, die man nicht auf dem Schirm hat und die dann noch lange im Kopf bleibt.

Hey, ich bin Nele!
Willkommen auf meinem Kanal – ich bin das Gesicht hinter @heyiamnele. Meine Mission ist es, Mut zu machen, die Komfortzone zu verlassen und durch coole Ausflugsziele zu inspirieren, mehr zu erleben und langanhaltende Erinnerungen zu schaffen. Ich reise regelmäßig um die Welt und teile meine Erfahrungen online mit meiner Abenteuer-Community! Wie cool, dass du ein Teil davon bist!










