2 Wochen in Patagonien: Rundreise durch Argentinien & Chile

Patagonien war keine Reise zum Abschalten. Es war ein Abenteuer. 13 Tage zwischen Argentinien und Chile. Zwischen Gletschern, türkisfarbenen Lagunen, rauen Berglandschaften, Pinguinen und Straßen, die sich stundenlang durch absolute Leere ziehen. Eine Reise, bei der man morgens noch durch Buenos Aires läuft und wenige Tage später am Ende der Welt durch Feuerland wandert.

Ich durfte diese Route als Travel Coordinator begleiten. Und genau das hat dieses Abenteuer noch besonderer gemacht. Nicht nur selbst zu staunen, sondern gemeinsam mit anderen Menschen zu erleben, wie sich diese Landschaft anfühlt. Wie still plötzlich alle werden, wenn der Wind durch die Berge zieht oder ein riesiges Stück Eis vom Gletscher abbricht. Patagonien wirkt auf Bildern oft wunderschön. In echt fühlt es sich gewaltig an.

Tag 1: Buenos Aires – der Kontrast, der diese Reise besonders macht

Unser Abenteuer begann in Buenos Aires. Eine der größten Städte Südamerikas mit über 15 Millionen Einwohnern in der Metropolregion. Autos, Musik, Cafés, Menschenmengen und riesige Straßen bestimmen hier das Bild. Gerade deshalb ist der Start in Buenos Aires perfekt für diese Route. Denn nur einen Tag später verändert sich plötzlich alles.

Buenos Aires liegt fast 3.000 Kilometer entfernt von Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. Viele unterschätzen vorher, wie riesig Argentinien eigentlich ist. Wir nutzten den ersten Tag, um anzukommen, gemeinsam essen zu gehen und uns auf die kommenden Tage vorzubereiten. Denn Patagonien bedeutet frühe Transfers, wechselhaftes Wetter und viele Stunden draußen in der Natur.

Tag 2: Flug nach El Calafate und Weiterfahrt nach El Chaltén

Früh morgens ging es mit dem Inlandsflug nach El Calafate in den Süden Argentiniens. Schon aus dem Flugzeugfenster verändert sich die Landschaft komplett. Die Wälder und Städte verschwinden langsam und machen Platz für die patagonische Steppe. Eine trockene, raue Landschaft, die große Teile Südpatagoniens prägt.

Von El Calafate fuhren wir direkt weiter nach El Chaltén. Die Strecke dauert ungefähr drei Stunden und führt durch nahezu unberührte Landschaften. Immer wieder tauchen Guanacos am Straßenrand auf. Wilde Verwandte der Lamas, die typisch für Patagonien sind.

El Chaltén selbst wurde erst 1985 gegründet und hat heute nur etwa 1.500 Einwohner. Trotzdem gilt der kleine Ort als Trekkinghauptstadt Argentiniens. Er liegt direkt am Los-Glaciares-Nationalpark, einem UNESCO-Weltnaturerbe mit einer Fläche von über 7.000 Quadratkilometern. Und genau dort beginnt das eigentliche Patagonien-Abenteuer.

Tag 3: Laguna de los Tres – eine der berühmtesten Wanderungen Südamerikas

Die Wanderung zur Laguna de los Tres gehört zu den bekanntesten Trekkingtouren in ganz Patagonien. Die Strecke umfasst je nach Startpunkt ungefähr 20 bis 25 Kilometer mit mehr als 1.000 Höhenmetern. Besonders der letzte Anstieg hat es in sich. Auf wenigen Kilometern gewinnt man mehrere hundert Höhenmeter und läuft oft gegen starken patagonischen Wind.

Patagonien gehört zu den windigsten Regionen der Erde. Windgeschwindigkeiten von über 100 km/h sind dort keine Seltenheit. Und trotzdem laufen jedes Jahr tausende Menschen genau wegen dieses Moments hier hoch. Denn oben wartet der Blick auf den Fitz Roy. Der markante Granitberg ist 3.405 Meter hoch und zählt zu den bekanntesten Bergen Südamerikas. Sein indigener Name lautet übrigens „Chaltén“ und bedeutet so viel wie „rauchender Berg“, weil die Spitze häufig von Wolken umgeben ist.

Als wir oben ankamen, wurde es plötzlich still. Vor uns die türkisfarbene Lagune. Dahinter die schroffen Granitspitzen des Fitz Roy Massivs. Und um uns herum nur Wind, Berge und diese unglaubliche Weite. Genau solche Momente machen Abenteuer für mich so besonders. Nicht weil alles leicht ist. Sondern weil man sich diese Momente wirklich erarbeitet.

Unsere komoot-Route: https://www.komoot.com/de-de/tour/2882209785

Tag 4: Rafting in El Chaltén und Rückfahrt nach El Calafate

Nach einer richtig coolen Sonnenaufgangswanderung in El Chalten mit Blick auf den Fitz Roy (komoot-Route: https://www.komoot.com/de-de/tour/2886291605) ging es direkt weiter mit dem nächsten Abenteuer: Rafting in El Chaltén.

Die Flüsse in Patagonien entstehen größtenteils aus Gletscherschmelzwasser und gehören zu den kältesten Gewässern Südamerikas. Während man durch die Stromschnellen fährt, sieht man schneebedeckte Berge und die typischen patagonischen Landschaften um sich herum. Gerade diese Mischung macht die Region so besonders. Wandern, Gletscher, Wasser, Wind und völlige Weite wechseln sich ständig ab.

Am Abend ging es zurück nach El Calafate. Die Stadt liegt direkt am Lago Argentino, dem größten See Argentiniens. Der See umfasst über 1.400 Quadratkilometer und erhält seine intensive türkise Farbe durch feine Gesteinspartikel aus den umliegenden Gletschern.

Tag 5: Mini Trekking auf dem Perito Moreno Gletscher

Der Perito Moreno Gletscher war einer dieser Orte, die selbst in echt noch unwirklicher aussehen als auf Bildern. Der Gletscher ist ungefähr 30 Kilometer lang, bis zu 5 Kilometer breit und ragt an manchen Stellen mehr als 70 Meter über den Lago Argentino hinaus. Besonders beeindruckend: Der Perito Moreno gehört zu den wenigen großen Gletschern weltweit, die lange Zeit trotz Klimawandel als relativ stabil galten. Mittlerweile zeigen aber auch hier Messungen deutliche Veränderungen.

Immer wieder hört man ein lautes Krachen durch die Berge hallen, wenn riesige Eisstücke abbrechen und ins Wasser stürzen. Wir machten das berühmte Mini Trekking direkt auf dem Gletscher. Mit Steigeisen läuft man mehrere Stunden über das Eis, vorbei an tiefblauen Gletscherspalten, kleinen Schmelzwasserlagunen und jahrtausendealtem Eis. Und genau dort merkt man plötzlich, wie lebendig ein Gletscher eigentlich ist. Das Eis knackt ständig unter einem. Wasser fließt durch kleine Kanäle. Überall entstehen neue Formen und Strukturen. Es fühlt sich fast an wie eine eigene Welt.

Tag 6: Von Argentinien nach Chile

An Tag 6 ging es über die Grenze nach Chile Richtung Puerto Natales. Diese langen Fahrten gehören in Patagonien einfach dazu. Die Entfernungen dort sind enorm. Oft fährt man stundenlang durch nahezu menschenleere Landschaften. Und genau das macht etwas mit einem. Keine Werbung. Keine Großstädte. Kein ständiger Lärm. Stattdessen Berge, Wind und diese unglaubliche Weite. Puerto Natales liegt direkt am Última-Esperanza-Fjord und dient als Ausgangspunkt für den berühmten Torres-del-Paine-Nationalpark.

Tag 7: Torres del Paine Nationalpark

Der Torres del Paine Nationalpark gehört zu den bekanntesten Nationalparks Südamerikas und umfasst über 1.800 Quadratkilometer. Die berühmten Granittürme entstanden vor Millionen Jahren durch tektonische Bewegungen und Gletschererosion. Heute zählen sie zu den bekanntesten Wahrzeichen Patagoniens. Schon die Fahrt durch den Park fühlt sich an wie eine Safari. Überall sieht man Guanacos, manchmal auch Andenkondore oder Füchse.

Die Wanderung zu den Torres ist anspruchsvoll und dauert oft sieben bis neun Stunden. Besonders das Wetter macht die Tour unberechenbar. In Patagonien können Sonne, Regen, Schnee und Sturm innerhalb weniger Stunden wechseln. Und genau das macht diese Landschaft so besonders. Nichts dort fühlt sich kontrolliert oder perfekt an. Sondern wild.

Unsere Komoot-Route: https://www.komoot.com/de-de/tour/2911075585

Tag 8: Über die Magellanstraße nach Ushuaia

Einer der längsten Tage der Reise. Von Chile ging es Richtung Feuerland. Dabei überquerten wir mit einer Fähre die berühmte Magellanstraße. Die Meerenge verbindet Atlantik und Pazifik und war früher eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Benannt wurde sie nach Ferdinand Magellan, dessen Expedition die Passage 1520 erstmals durchquerte. Stunden später erreichten wir Ushuaia.

Die Stadt liegt auf Feuerland direkt am Beagle-Kanal und gilt als südlichste Stadt der Welt. Sie befindet sich nur noch ungefähr 1.000 Kilometer von der Antarktis entfernt. Allein dieses Gefühl, wirklich am Ende der Welt angekommen zu sein, war surreal.

Tag 9: Laguna Esmeralda und Pinguine auf Martillo Island

Am Morgen wanderten wir zur Laguna Esmeralda. Die Strecke führt durch Wälder, Moore und vorbei an kleinen Bächen bis zu einer intensiv türkisfarbenen Lagune mitten in den Bergen Feuerlands. Der Name „Esmeralda“ bedeutet Smaragd und genau so sieht das Wasser dort auch aus. Am Nachmittag ging es weiter nach Martillo Island. Dort leben jedes Jahr tausende Magellanpinguine und Eselspinguine. Die Insel gehört zu den wenigen Orten weltweit, an denen man Pinguine in ihrer natürlichen Umgebung so nah beobachten kann. Und irgendwann läuft einfach einer dieser kleinen Pinguine wenige Meter an dir vorbei.

Tag 10: Reiten und Tierra del Fuego Nationalpark

An unserem letzten Abenteuer-Tag ging es zuerst zum Reiten außerhalb von Ushuaia und später weiter in den Tierra del Fuego Nationalpark. Das Besondere dort ist die Kombination verschiedener Landschaften auf engstem Raum. Wälder, Berge, Seen und Küste treffen hier direkt aufeinander.

Außerdem endet dort die berühmte Panamericana. Die längste Straßenverbindung der Welt, die sich von Alaska bis nach Feuerland zieht. Und irgendwann sitzt man einfach dort, schaut auf diese Landschaft und versteht plötzlich, warum Abenteuer süchtig machen können.

Tag 11 bis 13: Zurück nach Buenos Aires

Nach Tagen voller Berge, Gletscher, Wind und Nationalparks ging es zurück nach Buenos Aires.Und trotzdem nimmt man etwas anderes mit zurück. Nicht einfach nur Fotos. Sondern Erinnerungen an Momente, die sich größer angefühlt haben als der Alltag zuhause.

Patagonien war für mich kein Urlaub. Es war ein Abenteuer voller Naturgewalten, Grenzen überwinden, gemeinsam wachsen und Momenten, die sich angefühlt haben wie kleine Kapitel aus einem Abenteuerbuch.


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