Wie wäre es, man wandert nicht einfach nur durch die Natur, sondern macht sich auch auf eine symbolische Reise durch das eigene Leben? Im Südlichen Waldviertel in Niederösterreich bietet der Lebensweg genau diese Erfahrung. Auf 260 Kilometern erstreckt sich ein Weitwanderweg, der durch 13 Etappen und 23 Gemeinden führt. Das Besondere an dieser Wanderung ist, dass sie wie eine Achterschleife aufgebaut ist, die den Kreislauf des Lebens widerspiegelt. Dieser Artikel nimmt dich mit auf die Reise, enthüllt die besonderen Momente, die wir auf diesem Weg erlebt haben, und zeigt, warum der Lebensweg so faszinierend ist.
Das Konzept des Lebenswegs: Wandern als Lebensreflexion
Der Lebensweg ist kein gewöhnlicher Wanderweg. Vielmehr ist er so konzipiert, dass jede Etappe einen Lebensabschnitt repräsentiert. Mithilfe einer Wanderkarte und des sogenannten Lebensweg-TourenTAGEbuchs kannst du nicht nur die Route planen, sondern auch über deine Erlebnisse und Gedanken reflektieren. Ich habe mich gemeinsam mit der Outdoor-Fotografin Melanie Többe auf diesen Weg gemacht und wir haben uns tief in die Natur des Waldviertels begeben, um das Leben und seine Phasen zu reflektieren. Für unsere Zeit auf dem Lebensweg galt Maria Taferl als der Ausgangspunkt unserer Erlebnisse, ein wunderschöner Ort im Herzen des Waldviertels.
Die Etappen des Lebenswegs laden dazu ein, innezuhalten und über die verschiedenen Lebensphasen nachzudenken. Was bedeutet das Leben nach 65? Welche Herausforderungen und Freuden bringt das Leben zwischen 75 und 99 Jahren? Diese Fragen begleiten uns auf den einzelnen Etappen und machen die Wanderung zu einer spirituellen und meditativen Erfahrung.
Etappe 10: Von Pöggstall nach Raxendorf – Ein unvergesslicher Start
Die 10. Etappe des Lebenswegs führt uns von Pöggstall zur Braunegger Aussichtsplattform und weiter nach Raxendorf. Schon die Anreise durch das Waldviertel begeistert uns mit tiefgrünen Wäldern und weiten Wiesen. Während wir wandern, regt uns das TourenTAGEbuch dazu an, über vergangene Lebensphasen, besonders die ab 65 Jahren, nachzudenken.
An der Braunegger Aussichtsplattform genießen wir einen atemberaubenden Panoramablick auf Gipfel wie den Schneeberg und den Ötscher, was uns die Weite der Natur und die Relativität unserer Sorgen bewusst macht. Ein plötzlicher Regenschauer symbolisiert die unvorhersehbaren Wendungen des Lebens, doch unbeeindruckt setzen wir unseren Weg fort und schließen den Tag in Raxendorf mit einem Lächeln und einem Stempel im Lebensweg-Stempelpass ab.




Etappe 11: Von Raxendorf nach Weiten – Die kleinen Dinge des Lebens
Am zweiten Tag konzentrieren wir uns auf die kleinen Dinge, die im hektischen Alltag oft unbeachtet bleiben. Auf dem Weg nach Weiten genießen wir den Gesang der Vögel, beobachten Schnecken und entdecken Feuersalamander im Moos. Die Etappe erfordert einige Höhenmeter und spiegelt so die Höhen und Tiefen des Lebens wider.
Während der Wanderung denken wir über den Lebensabschnitt zwischen 75 und 99 Jahren nach. Was wird uns in dieser Zeit beschäftigen? Werden wir in Frieden mit uns selbst sein? Diese Überlegungen begleiten uns bis zur beeindruckenden Dr. Jörg Mauthe Millenniums-Sonnenuhr in Weiten, die das Ende dieser Etappe markiert.



Etappe 12: Von Leiben bis Artstetten – Natur und Kultur vereint
Eine der schönsten Etappen des Lebenswegs führt von Leiben zum Schloss Artstetten und bietet malerische Landschaften, urige Bauernhöfe und die unberührte Natur des Waldviertels. Die Vielfalt der Region zeigt sich hier besonders, von satten Wiesen und dichten Wäldern bis hin zu historischen Sehenswürdigkeiten.
Ein Highlight ist der Besuch des kaiserlichen Schlosses Artstetten. Nach einer geführten Tour durch den Schlosspark genießen wir ein entspanntes Picknick im Schlossgarten. Die Ruhe und Schönheit der Natur ermöglichen es uns, abzuschalten und den Moment zu genießen. Mit kühlen Getränken aus dem Schloss-Café beenden wir beeindruckt den Tag.



Etappe 13: Von Maria Taferl nach Laimbach – Ein erfüllter Abschluss
Die letzte Etappe unserer Reise beginnt in Maria Taferl, bekannt für spektakuläre Ausblicke auf die Donau und das Alpenvorland. Nach einem kurzen Besuch der imposanten Basilika starten wir den finalen Abschnitt des Lebenswegs. Während wir an plätschernden Bächen und durch grüne Wälder wandern, lassen wir die Eindrücke der vergangenen Tage Revue passieren.
Eine wohlverdiente Pause machen wir in der Wirtshausbrauerei Haselböck in Münichreith, wo wir regionale Köstlichkeiten genießen und bei einer Brauereiführung mehr über die lokale Biertradition erfahren. Die letzten Kilometer begleiten uns Vogelgezwitscher und frische Waldluft, bis wir schließlich Laimbach, den Ausgangspunkt und das Ende unserer Reise, zufrieden erreichen.




Lohnt sich eine Wanderung auf dem Lebensweg im Waldviertel?
Mit unzähligen Erlebnissen und tiefen Erkenntnissen im Gepäck treten wir die Heimreise an. Der Lebensweg ist nicht nur ein Wanderweg durch die malerische Natur des Waldviertels, sondern eine tiefgehende Reise zu sich selbst. Die intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Lebensphasen und die vielen Begegnungen unterwegs haben uns gezeigt, wie wertvoll das Leben ist. Die Frage, ob sich diese Wanderung lohnt, können wir daher mit einem klaren „Ja“ beantworten. Wer diesen Weg geht, wird nicht nur die unberührte Natur Niederösterreichs erleben, sondern auch mit einer neuen, bewussteren Perspektive auf das eigene Leben nach Hause zurückkehren. Eine Wanderung auf dem Lebensweg können wir daher jedem nur wärmstens ans Herz legen.
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